Resonanzen
Was antwortet worauf?
Die Arbeiten dieser Werkgruppe gehen der Frage nach, was zwischen den Dingen entsteht, wenn sie einander berühren.
Stein, Wasser, Bäume, Landschaften, Körper oder Erinnerungen erscheinen nicht als voneinander getrennte Motive. Sie beginnen aufeinander zu antworten. Sichtbares wird zum Träger von Spuren, Nachhall und Verwandlung.
Resonanz bedeutet hier nicht Ähnlichkeit, sondern Beziehung. Die Bilder zeigen keine abgeschlossenen Gegenstände. Sie zeigen Felder, in denen etwas zwischen den Formen zu schwingen beginnt.
Verfügbare Werke aus der Serie: Resonanzen
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Anderswo
100 x 150 cm | 2015
Öl auf Leinwand
"Die Figur sitzt in einem Zimmer, doch der Raum bleibt nicht bei sich. Architektur, Licht und Erinnerung durchdringen einander, als hätten die Orte ihre festen Grenzen verloren. Das Bild beschreibt keine äußere Situation, sondern einen Zustand des Bewusstseins. Wer erinnert, befindet sich immer zugleich hier und anderswo. Die Überlagerungen sind deshalb keine Verfremdungen, sondern eine genaue Beschreibung dessen, wie Erfahrung im Inneren weiterlebt."
(Urs Johannsen)
Der Berg erzählt von Abgründen
60 x 50 cm | 2025
Acryl auf Leinwand
"Diese Bilder kehren an ihren Entstehungsort zurück. Sie suchen nicht die ursprüngliche Landschaft wiederzufinden, sondern setzen ein bereits vorhandenes Bild erneut den Bergen aus. Erinnerung wird dabei nicht bestätigt, sondern verändert. Das frühere Bild bleibt sichtbar, die gegenwärtige Wahrnehmung legt sich darüber. Resonanz entsteht dort, wo beide Zustände gleichzeitig anwesend sind."
(Urs Johannsen)
Das Papier erinnert sich I
(aus der Serie "Die Rückseite der Bilder")
88 x 66 cm | 2024
Tusche, Aquarell, Liner auf Papier
Diese Arbeiten zeigen nicht das, was gezeichnet wurde. Sie zeigen, was davon durch das Papier hindurchgegangen ist. Das Papier bewahrt keine Kopie. Es antwortet. Linien verlieren ihre Schärfe, Farben verändern ihre Dichte, Formen lösen sich auf und finden eine neue Gestalt. Aus einer Zeichnung entsteht ein zweites Bild – eines, das nicht geplant war. So werden diese Bilder zu Resonanzräumen. Sie zeigen nicht den Berg, sondern das Echo, das er im Papier hinterlassen hat.
Bergecho Bergell 2
2 x 31 x 23 cm | 2026
Tusche, Aquarelll auf Papier
Während ich den Berg zeichne, entsteht bereits eine zweite Zeichnung. Auf dem dünnen Japanpapier drückt sich die Bewegung der Hand auf das darunterliegende Blatt durch. Was dort erscheint, ist kein Abbild des Berges – sondern sein Echo.
Stein Wasser I
50 x 70 cm | 2025
Acryl, Frottage, Liner auf Papier
Die Frottagen dieser Arbeiten entstanden mit Acryl an großen Steinen in Borgonovo im Bergell (Schweiz). Die Felsen wurden einst von der Maira unterspült und scheinen heute wie schwebende Körper in der Landschaft zu liegen. Die Linien gehen auf Zeichnungen und Fotografien der Schwindebachquelle in der Lüneburger Heide zurück. Sie folgen den Bewegungen des Wassers. Stein und Quelle werden hier nicht miteinander verbunden, sondern begegnen sich als zwei unterschiedliche Erinnerungen an Landschaft. Aus ihrer Berührung entsteht ein Resonanzraum.
Baumstein 5
59 x 42 cm | 2026
Kreiden, Beize auf Papier
"Baum und Stein antworten nicht nur aufeinander. Ihre Formen greifen ineinander, bis etwas Drittes entsteht – zwischen Landschaft, Körper und Erinnerung. Der Stein wird zu Frucht, Organ oder Speicher; der Baum zu einer tragenden Form."
(Urs Johannsen)
Die Haut erinnert
70 x 90 cm | 2025
Öl, Liner auf Leinwand
"Die Zeichen auf der Haut erzählen keine Geschichte. Sie sind die Geschichte. Der Körper trägt hier nicht seine Erinnerungen. Er besteht aus ihnen. Jede Linie ist eine Berührung, die geblieben ist. Nicht als Wunde. Nicht als Bild. Sondern als zweite Haut."
(Urs Johannsen)
Versammlung
4 x 100 x 50 cm | 2025
Acryl auf Leinwand
„Das sind keine vier Männer. Das ist ein einziger Körper, der sich in vier Erinnerungen aufgeteilt hat. Die Figuren berühren sich nicht, und doch hängen sie zusammen. Das Bild erzählt weniger von Personen als von dem Raum zwischen ihnen.Das Blau gehört keiner einzelnen Figur. Es ist der Raum, aus dem sie alle hervorgehen.“
(Urs Johannsen)
Körperschriften 1
41 x 31 cm | 2025
Kreiden, Aquarell, Acryl auf Papier
Diese Arbeiten sind keine Studien zu größeren Bildern. Sie sind eigenständige Versuche, einer Bewegung zu folgen, bevor sie zur Form wird. Die wiederkehrenden Zeichen entstehen nicht aus einer Vorstellung des Körpers. Sie entstehen im Zeichnen selbst. Farbe, Linie und Geste suchen eine gemeinsame Sprache, ohne sich auf eine feste Bedeutung festzulegen.Vielleicht gleichen diese Blätter Notationen einer körperlichen Erinnerung – flüchtig, offen und immer im Werden.
Unter der Haut des Lichts
100 x 70 cm | 2025
Öl auf Leinwand
"Je mehr die Figur verschwindet, desto stärker beginnt sie anwesend zu sein. Nicht als Form, die sich behauptet, sondern als Erfahrung, die sich dem Blick langsam erschließt. Das Bild zeigt keinen Körper. Es zeigt den Augenblick, in dem Anwesenheit aus dem Verschwinden hervorgeht."
(Urs Johannsen)
Lichtfeld
90 x 60 cm | 2026
Öl auf Leinwand
"Anwesenheit entsteht nicht trotz des Verschwindens, sondern in ihm. Je weniger sich der Körper behauptet, desto mehr beginnt er mit dem Farbraum zu resonieren. Das Bild zeigt keine Figur vor einer Landschaft – es zeigt den Augenblick, in dem beide ununterscheidbar werden."
(Urs Johannsen)
Diese Arbeiten entstanden auf der Insel Bornholm. Gemalt habe ich sie auf Leinwänden mit Köpfen, die ursprünglich Teil einer Installation im Kunstpavillon München waren, wo ich 2011 mit der dänischen Künstlergruppe RIMFAXE unter dem Titel Erindring (Erinnerung) ausstellte.
Acht dieser Arbeiten nahm ich Jahre später mit nach Bornholm und malte auf ihnen plein air in einem kleinen Wäldchen weiter, in dem zahlreiche Bautasteine wie wesenhafte Gestalten versammelt sind. Für mich stehen sie für etwas Vergessenes – Relikte, deren ursprüngliche Bedeutung sich unserem Wissen entzieht. In die Bilder flossen zugleich Erinnerungsfragmente aus Skizzenbüchern früherer Aufenthalte auf Bornholm ein. In vielen Schichten entstanden so neue, verdichtete Bildräume, in denen Vergangenheit und gegenwärtige Wahrnehmung ineinandergreifen.
© 2024 Matthias Oppermann.
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