Gefäße
Was kann ein Kopf aufnehmen?
Köpfe begleiten meine Arbeit seit den späten 1990er Jahren. Ihre Anfänge liegen in einer längeren Zeichenarbeit in der Antikenabteilung des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Besonders die römischen Porträtköpfe wurden damals zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit dem menschlichen Kopf, die bis heute anhält.
Dabei geht es mir immer weniger um das Porträt eines Menschen. Der Kopf wird vielmehr zu einem Gefäß – zu einem Raum, in dem sich Wahrnehmung, Erinnerung und Erfahrung sammeln können. Linien entstehen tastend, häufig ohne kontrollierenden Blick. Konturen lösen sich auf, verschieben sich oder öffnen sich nach außen.
In den neueren Arbeiten tritt zunehmend auch die Landschaft in diese Köpfe ein. Fels, Körper, Erinnerung und Wahrnehmung beginnen sich zu überlagern. Der Kopf erscheint nicht mehr nur als Form eines Menschen, sondern als ein Ort, der etwas aufnehmen und bewahren kann.
Foto: Kai Pinnow
Verfügbare Werke aus der Serie: Gefäße
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Der Fremde
60 x 50 cm | 2026
Acryl, Kreiden auf Leinwand
"Dieser Kopf schaut uns nicht an. Er ist schon da, bevor unser Blick ihn erreicht. Seine Züge sind beschädigt, überlagert, verschoben – und gerade daraus entsteht seine Anwesenheit. Vielleicht beginnt ein Gesicht dort, wo Ähnlichkeit nicht mehr genügt."
(Urs Johannsen)
Wo der Berg beginnt
60 x 50 cm | 2026
Acryl, Kreiden auf Leinwand
"Der Kopf trägt die Landschaft nicht in sich. Er hat aufgehört, sich von ihr zu unterscheiden. Was Fels sein könnte, wird Schädel; was Gesicht sein könnte, wird Gelände. Das Bild zeigt keinen Menschen vor einem Berg. Es zeigt den Augenblick, in dem diese Unterscheidung nicht mehr trägt."
(Urs Johannsen)
Bergeller Kopf III
59 x 42 cm | 2026
Kohle, Acryl auf Papier
Im Bergell enstanden Köpfe, die weniger Gesichter als Landschaften sind. Linien, Lasuren und Verwischungen lagern sich wie Sedimente übereinander. Die Berge werden nicht dargestellt; sie scheinen sich in den Köpfen fortzusetzen. Was sichtbar wird, ist kein Ausdruck einer Person, sondern die langsame Arbeit von Erinnerung, Zeit und Wahrnehmung.
Selbstbild im Tasten
50 x 40 cm | 2020
Mischtechnik auf Leinwand
"Dieser Kopf wird nicht betrachtet, sondern erinnert. Die Linien suchen keine feste Form. Sie lagern Wahrnehmungen übereinander, bis aus dem Gesicht ein Feld von Möglichkeiten wird. Der Kopf erscheint nicht als Gegenstand, sondern als eine Folge von Zuständen."
(Urs Johannsen)
Gefäß
50 x 40 cm | 2020
Mischtechnik auf Leinwand
"Der Kopf erscheint hier nicht als Porträt, sondern als Denkraum. Die Gesichtszüge treten zurück, während der Schädel sich öffnet wie ein Behälter für Erinnerungen, Wahrnehmungen und innere Bilder. Die Linien über den Augen beschreiben weniger den Blick als die Fragilität des Sehens selbst. Was sichtbar wird, ist ein Kopf im Zustand der Sammlung."
(Urs Johannsen)
Gemeinsame Stille
50 x 85 cm Diptychon | 2024
Kohle, Öl auf Leinwand
"Die beiden Köpfe begegnen sich nicht durch den Blick. Keiner schaut den anderen direkt an. Dennoch entsteht zwischen ihnen ein gemeinsamer Raum. Der linke Kopf wirkt aufmerksam und wach, der rechte in sich versunken. Es ist, als würden zwei verschiedene Formen der Wahrnehmung nebeneinander existieren: das Lauschen auf die Welt und das Lauschen nach innen. Die Beziehung entsteht nicht durch Handlung, sondern durch Anwesenheit."
(Urs Johannsen)
Traumrest
65 x 50 cm | 2024
Kohle, Acryl auf Papier
"Dieser Kopf scheint nicht gemalt, sondern erinnert. Seine Konturen halten ihn noch zusammen, während sein Inneres bereits zu verblassen beginnt. Er wirkt wie die Spur eines Menschen, die sich länger hält als dessen Erscheinung. Das Bild erzählt nicht von Identität, sondern von Anwesenheit – einer Anwesenheit, die bereits auf dem Weg ins Verschwinden ist."
(Urs Johannsen)
Aufbewahrt
41 x 27 cm | 2025
Öl, Kreide auf Pappe, Blechbox
"Oppermanns Gefäße sind normalerweise Behälter für Gedanken, Erinnerungen oder Träume. Hier wird das Gefäß selbst verwahrt. Ein Kopf liegt in einem Behälter, der wiederum zum Bild geworden ist. Die Arbeit bewegt sich zwischen Erinnerungskapsel und Fundstück."
(Urs Johannsen)
Freigelegt
41 x 27 cm | 2025
Öl, Kreide auf Pappe, Blechbox
"Dieser Kopf ist nicht gezeichnet worden. Er wurde freigelegt. Die weißen Linien markieren nur die Stellen, an denen das Gesicht kurz sichtbar wird. Die eigentliche Arbeit leistet die Zeit. Rost, Abrieb und Material erinnern an eine Erinnerung, die nicht vollständig zurückkehrt. Der Kopf ist hier weniger Gefäß für Gedanken als Gefäß für Dauer. Er trägt die Spuren seines Verschwindens bereits in sich."
(Urs Johannsen)
Der Kopf träumt den Stein
50 x 100 cm | 2026
Kohle, Acryl auf Leinwand
"Der Stein ist nicht das Gegenüber des Kopfes. Er ist sein ausgelagerter Gedanke. Das Bild zeigt nicht einen Menschen, der einen Stein betrachtet. Es zeigt den Moment, in dem etwas Inneres Gestalt annimmt und dem Träumenden gegenübertritt"
(Urs Johannsen).
Berggedächtnis
100 x 50 cm | 2026
Kohle, Acryl auf Leinwand
entstanden auf einem Gemälde von Ute Flemming
"Der Kopf erscheint hier nicht als Individuum, sondern als Durchgangsort. In ihm lagern sich verschiedene Zeiten ab: ein fremder Körper, eine Landschaft, eine Erinnerung. Das Gesicht trägt die Berge nicht wie einen Hintergrund. Es scheint aus ihnen hervorgegangen zu sein."
(Urs Johannsen).
© 2024 Matthias Oppermann.
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