Spuren der Erinnerung
Spuren der Erinnerung
Meine Malerei bewegt sich zwischen Wahrnehmung, Erinnerung und Landschaft. Aus fotografischen Blicken, Körpererfahrungen und tastenden Linien entstehen Bilder, in denen Körper, Raum und Zeit miteinander in Resonanz treten.
Die verschiedenen Werkgruppen meiner Arbeit folgen unterschiedlichen Formen des Sehens und Erlebens: vom fotografischen Blick über körperlich erinnerte Landschaften bis zu Linien, Resonanzen und Arbeiten in der Landschaft selbst.
Mit dem Blick der Fotografie
Meine Malerei beginnt mit einer Frage: Wie sehen wir Wirklichkeit?
Alberto Giacometti sagte einmal: „Man sieht nie die Dinge selbst, sondern wie auf einem Bildschirm.“ Auch David Hockney hat gezeigt, wie sehr optische Instrumente – Spiegel, Linsen oder Kameras – unsere Bildsprachen geprägt haben.
Mein Blick auf die Welt beginnt oft fotografisch. Die Kamera hält einen Moment fest, doch in der Erinnerung beginnt sich dieser Moment bereits zu verändern. Aus diesem Zwischenraum entstehen meine Bilder.
In der Serie Spuren der Erinnerung versuche ich, diese fragile Zone sichtbar zu machen: Landschaften und Situationen erscheinen nicht mehr als unmittelbare Beobachtung, sondern als Spuren eines vergangenen Sehens. Malerei wird so zu einer Erkundung des Blicks – und zu einer Suche nach dem, was im Moment der Wahrnehmung bereits wieder verschwindet.
Verfügbare Werke aus der Serie: Spuren der Erinnerung
Für Preisauskünfte, weiteres Bildmaterial und Anfragen für Auftragsarbeiten, nehmen Sie bitte Kontakt auf.
Lichtung
70 x 90 cm | 2023
Öl auf Leinwand
"Die kantigen Linien erinnern an Geröll, Felsen und Bruchstücke einer Landschaft. Doch das Bild beschreibt keinen Ort. Die Formen überlagern sich wie Erinnerungen, die ihre ursprüngliche Ordnung verloren haben. Zwischen den harten Strukturen öffnet sich ein Bereich von Licht und Farbe. Die Lichtung ist hier kein geografischer Raum, sondern ein Moment des Erscheinens. Etwas wird sichtbar, ohne sich ganz zu zeigen."
(Urs Johannsen)
Geäst
100 x140 cm | 2023
Öl auf Leinwand
"Der Wald erscheint als Geflecht aus Linien, Licht und Zwischenräumen. Die weißen Übermalungen lösen die Formen nicht auf, sondern verschieben sie in einen anderen Zustand. Was sichtbar wird, ist weniger ein Ort als dessen Nachhall. Das Geäst beschreibt nicht nur die Struktur des Waldes, sondern auch die Verästelungen der Erinnerung."
(Urs Johannsen)
Verdichtung
(Wiederkehr zur Weide)
60 x 80 cm | 2024
Acryl, Kreiden auf Leinwand
"Das Bild beschreibt keinen Baum. Es beschreibt die Dauer eines Aufenthalts bei einem Baum. Auffällig ist die Verdichtung im Zentrum. Die Wahrnehmung kreist nicht um einen Stamm oder eine Krone, sondern um einen Bereich, in dem sich Blickspuren sammeln. Die Weide wird zu einem Speicher wiederholter Aufmerksamkeit. Vielleicht zeigt das Bild deshalb weniger einen Baum als die Erfahrung, immer wieder zu ihm zurückzukehren."
(Urs Johannsen)
Verschobene Geografie
80 x 100 cm | 2023
Öl auf Leinwand
"Das Bild versammelt Erfahrungen, die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten: Berge, Körper und Stadt. In der Erinnerung verlieren solche Ereignisse ihre zeitliche Ordnung. Sie lagern sich übereinander wie geologische Schichten. Sichtbar wird nicht der einzelne Ort, sondern das Feld ihrer Verbindungen."
(Urs Johannsen)
Ausweitung
60 x 80 cm | 2024
Öl auf Leinwand
"Die Erinnerung bewahrt hier nicht den See. Sie bewahrt seine Ausdehnung. Der Horizont bleibt bestehen, die Baumreihe ebenfalls. Dazwischen wächst die Fläche immer weiter, bis sie beinahe das ganze Bild einnimmt.
Dadurch entsteht ein merkwürdiger Schwebezustand. Man weiß nicht mehr genau, ob man auf Eis, Wasser, Nebel oder Erinnerung blickt. Die Landschaft wird nicht dargestellt. Sie wird langsam leergeräumt."
(Urs Johannsen)
Lägh da Bitabergh
100 x 140 cm | 2015
Öl auf Leinwand
"In vielen Landschaftsbildern dient der Vordergrund dazu, den Blick in die Tiefe zu führen. Hier geschieht das Gegenteil. Der Blick verliert seine Hierarchie. Er wandert, bleibt hängen, kehrt zurück und findet keinen festen Standpunkt mehr. Die Landschaft erscheint nicht als Panorama, sondern als Gewebe aus Wahrnehmungen.Der Ortsname verweist auf einen realen Platz. Das Bild selbst aber zeigt keinen Ort, sondern die langsame Verdichtung vieler Begegnungen mit diesem Ort."
(Urs Johannsen)
Lägh da Bitabergh
100 x 140 cm | 2017
Öl auf Leinwand
"Die Arbeit erinnert nicht an einen Ort, sondern an die Bewegung des Sehens. Die Landschaft erscheint nur noch als Spur einer Aufmerksamkeit. Felsen, Bäume und Wasser lösen sich in ein Geflecht von Linien auf, das weniger beschreibt als berührt. Vielleicht liegt die besondere Sinnlichkeit dieser Arbeit darin, dass sie keinen Gegenstand festhält. Die Linie verweilt bei den Dingen, ohne sie zu besitzen.Man erkennt die Landschaft erst, nachdem man sich in ihr bereits verloren hat."
(Urs Johannsen)
Feld
80 x 120 cm | 2017
Öl auf Leinwand
"Dieses Bild zeigt kein Feld. Es zeigt die Erfahrung eines Feldes. Die Landschaft erscheint nicht als fester Ort, sondern als Erinnerung an eine vorbeiziehende Wahrnehmung. Verschiedene Blickmomente lagern sich übereinander und verdichten sich zu einem ruhigen Bildraum. Bemerkenswert ist die horizontale Struktur. Feld, Nebel, Baumreihe und Himmel bilden Schichten, die weniger voneinander getrennt sind, als vielmehr ineinander übergehen.
Das Auge findet keinen einzelnen Mittelpunkt. Es bewegt sich durch das Bild wie durch eine Landschaft, die sich langsam entfaltet. „Nicht die Bäume tragen das Bild, sondern der Raum zwischen ihnen und dem Betrachter."
(Urs Johannsen)
Von Soglio nach Stampa II
80 x 100 cm | 2007
Acryl auf Leinwand
"Das Bild erinnert weniger an einen Ort als an die Schwierigkeit, ihn festzuhalten. Der Weg erscheint nicht als Gegenstand, sondern als Ereignis des Vorübergehens. Die Landschaft wird nicht betrachtet, sie geschieht dem Blick. Gerade dort, wo die Form unscharf wird und ins Weiß übergeht, wird sichtbar, dass Erinnerung nicht bewahrt, sondern verwandelt. Das Bild zeigt keinen Weg nach Stampa. Es zeigt, wie ein Weg in der Erinnerung weitergeht."
(Urs Johannsen)
© 2024 Matthias Oppermann.
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