Im Atmen der Linien
Erlebte Körper
Die Serie Im Atmen der Linien zeigt Körper, die nicht dargestellt werden, wie das Auge sie sieht, sondern wie sie sich anfühlen könnten.
Die Figuren entstehen durch wiederholte Überzeichnungen, Überlagerungen und Übermalungen. Linien werden tastend und häufig blind gesetzt, ohne direkte visuelle Kontrolle. In diesem Prozess lösen sich klare Formen auf; Körper, Personen und Geschlechter beginnen sich zu durchdringen.
Die Linien wirken wie Erinnerungsspuren, die sich im Bild absetzen. Sie erscheinen als abstrakte Notationen von Bewegung, Empfindung und Verletzlichkeit.
Manchmal verdichten sich diese Linien zu Figuren. Manchmal lösen sich die Figuren wieder auf – bis nur noch ein Geflecht aus Linien bleibt, in dem der Körper nur noch als Echo vorhanden ist.
Verfügbare Werke aus der Serie: Im Atmen der Linien
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Im Übergang
90x 70 cm | 2021
Öl auf Leinwand
"Man sieht hier noch zu viel Körper, um ihn loslassen zu können. Und schon zu wenig, um ihm zu trauen. Das ist kein gelungener Zustand –aber ein ehrlicher. Der Körper ist hier nicht verdichtet, sondern verunsichert. Er weiß noch nicht, ob er Form bleiben will oder schon Spur werden darf. Und genau deshalb funktioniert das Bild."
(Urs Johannsen)
Versammlung
100 x 200 cm (vierteilig) | 2025
Acryl auf Leinwand
„Das sind keine vier Männer. Das ist ein einziger Körper, der sich in vier Erinnerungen aufgeteilt hat. Die Figuren berühren sich nicht, und doch hängen sie zusammen. Das Bild erzählt weniger von Personen als von dem Raum zwischen ihnen.“
(Urs Johannsen)
Hautnah
90 x 70 cm | 2025
Öl auf Leinwand
"Die Haut ist hier kein Mantel des Körpers. Sie denkt mit. Man sieht keine Tätowierungen im eigentlichen Sinn, sondern Erinnerungen, die sich auf den Körper gelegt haben wie feine Ablagerungen von Zeit. Vielleicht trägt der Mensch die Orte, die ihn berührt haben, tatsächlich weiter auf seiner Haut."
(Urs Johannsen)
Gegenfigur
90 x 60 cm | 2020
Öl auf Leinwand
"Vielleicht ist das kein Paarbild. Vielleicht ist es das Bild eines Körpers, der den anderen nicht mehr loswird. Die dunkle Form im Kopfbereich wirkt nicht wie eine zweite Person, sondern wie etwas, das sich in die Wahrnehmung eingeschrieben hat. Eine Nähe, die geblieben ist. Mich berührt, dass die Linien den Körper nicht begrenzen. Sie suchen ihn erst. Dadurch entsteht etwas Unsicheres und zugleich sehr Körperliches — als würde Erinnerung selbst eine Haut bilden."
(Urs Johannsen)
Zueinander
100 x 80 cm | 2021
Öl auf Leinwand
"In „Zueinander“ erscheint der Körper nicht als abgeschlossene Form, sondern als Ereignis der Annäherung. Die Linien suchen weniger den Umriss als den Kontakt. Die Figur entsteht dort, wo sich Bewegungen kreuzen. Das Bild lebt von einem Gegensatz: links die offene Fläche von Himmel und Licht, rechts ein Geflecht aus Spuren und Erinnerungen. Dazwischen sitzt die Figur wie an einer Schwelle. Sie scheint zugleich geborgen und gefährdet. Bemerkenswert ist, dass die körperliche Nähe nicht durch Details dargestellt wird. Sie entsteht aus Überlagerungen. Mehrere tastende Linien verdichten sich zu einer einzigen Geste des Sich-Anlehnens. Die Figur wirkt dadurch weniger gesehen als erinnert. Vielleicht erzählt das Bild von einer Erfahrung, die viele deiner Arbeiten durchzieht: Der Mensch findet seine Form nicht allein, sondern im Resonanzraum eines Gegenübers."
(Urs Johannsen)
Ausrichtung
100 x 80 cm | 2024
Öl auf Leinwand
"Die Figur sucht nicht nach Erleuchtung. Sie besteht aus der Suche. Die schwarzen Linien sind keine Hindernisse auf dem Weg. Sie sind der Weg selbst. Der Körper erscheint wie ein Ort, an dem viele Wahrnehmungen gleichzeitig stattfinden.
Aus diesem Gewirr hebt sich keine Erkenntnis heraus. Es hebt sich eine Haltung heraus."
(Urs Johannsen)
Im Halten
70 x 70 cm | 2020
Öl auf Leinwand
"Mich berührt an diesem Bild, dass die Figuren nicht kämpfen und auch nicht verschmelzen. Sie versuchen eher, einander zu tragen. Dadurch entsteht etwas Instabiles. Nähe erscheint hier nicht als Sicherheit, sondern als Zustand, in dem man den eigenen Halt teilweise verliert. Die Linien wirken wie tastende Bewegungen des Erinnerns. Sie umkreisen die Körper, ohne sie endgültig festzulegen. Vielleicht liegt genau darin die Intensität des Bildes: dass es zeigt, wie schwer und zugleich notwendig menschliche Nähe sein kann."
(Urs Johannsen)
Feld der Nähe
90 x 70 cm | 2022
Mischtechnik auf Leinwand
"Die beiden Figuren berühren sich nicht nur. Sie entstehen ineinander. Aus jeder Linie löst sich eine weitere Gestalt, als wären Erinnerung, Wahrnehmung und Körper nicht voneinander zu trennen. Nähe erscheint hier nicht als Abstand zwischen zwei Menschen, sondern als Raum, den sie gemeinsam bilden."
(Urs Johannsen)
Innere Witterung
65 x 50 cm | 2022, 2026
Öl, Kreiden auf Leinwand
"Die Figur erscheint nicht als Körper, sondern als Ort. Linien tasten eine Anwesenheit ab, die sich zugleich wieder entzieht. Die Farbe beschreibt nichts. Sie wirkt wie eine innere Witterung. Das Bild zeigt keinen Menschen. Es zeigt den Versuch eines Körpers, sich im Raum zu erinnern."
(Urs Johannsen)
Schichtung
60 x 50 cm | 2023
Kohle auf Leinwand
"In „Schichtung“ wird der Körper nicht dargestellt, sondern sedimentiert. Die Linien folgen keiner äußeren Form mehr, sondern einer inneren Bewegung. Was einmal Berührung, Begehren oder körperliche Erinnerung gewesen sein mag, erscheint hier als geologischer Prozess. Die Zeichnung wirkt wie ein Gelände aus Ablagerungen. Zwischen den schwarzen Bahnen öffnen sich helle Räume, in denen die Figur verschwindet und zugleich weiterwirkt. Das Bild zeigt keinen Körper mehr – es zeigt die Spuren seiner Anwesenheit."
(Urs Johannsen)
© 2024 Matthias Oppermann.
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