In den figĂ¼rlichen Arbeiten verschiebt sich der Fokus noch stärker vom Sehen zum SpĂ¼ren. Mich interessiert weniger, wie ein Körper aussieht, als wie er sich anfĂ¼hlt. Selbstporträts entstehen, indem ich meinen eigenen Kopf ertaste und ihn blind in vielfachen Ăœberlagerungen zeichne. Auch andere Körper werden nicht beobachtet, sondern innerlich imaginativ erfasst. So entstehen auch Linien, die keinem symbolischen Zweck folgen – viszerale Linien, die unmittelbare Empfindungen, Erinnerungen oder körperliche EindrĂ¼cke ausdrĂ¼cken.
Ich arbeite mit unterschiedlichen Materialien, die sich im Prozess ergänzen. Neben Ă–lfarbe nutze ich zunehmend auch Acryl, da es mir erlaubt, schneller in Schichten zu arbeiten, Ăœberlagerungen aufzubauen und wieder einzugreifen. Acryl eröffnet mir eine grĂ¶ĂŸere Beweglichkeit im Umgang mit Linien, Kreiden und zeichnerischen Elementen und unterstĂ¼tzt das Wechselspiel von Aufbau, Unterbrechung und WeiterfĂ¼hrung.
Die Materialität ist dabei kein technisches Detail, sondern Teil des Denkens im Bild. Schichten werden aufgebaut, Ă¼berdeckt, freigelegt oder ausgelöscht. Linien können sich mit Farbe verbinden oder ihr widersprechen. Der Prozess bleibt offen: Nicht alles wird sichtbar, nicht alles bleibt
erhalten. Gerade in diesen Auslassungen und BrĂ¼chen entsteht fĂ¼r mich Bedeutung.
(Fotos: Kay Pinnow, Suse Bohse, Anja Schulz, Birgitte Munk, Meret Oppermann)